WordPress Speed-Benchmark Deutschland: 137 bekannte Sites im Test

137 bekannte deutsche WordPress-Sites im Lighthouse-Test: Median-Score 41/100, nur 4 über 90. Methodik, Top 10 und Muster statt Pranger.

Wir haben 137 bestätigte deutsche WordPress-Websites gemessen — bekannte Blogs, Medienmarken, Agenturen, Bildungsangebote, Vereine, Shops. Das Ergebnis: Median-Score 41 von 100 Punkten. Nur vier Sites erreichen 90 oder mehr. 90 der 137 liegen unter 50 — das sind 65,7 %, also fast zwei von drei.

Das ist kein Aufreger-Ranking und keine Bestenliste zum Fingerzeigen. Es ist eine Bestandsaufnahme: So performant ist WordPress in Deutschland tatsächlich unterwegs, gemessen an den Seiten, die die meisten Leser:innen kennen. Und bevor du aus der Zahl irgendetwas über einzelne Teams schließt: Lies zuerst den nächsten Abschnitt, warum dieser Score auch das Geschäftsmodell misst, nicht nur die Technik.

Wie wir gemessen haben

Alle 145 Messungen liefen am 31.07.2026 zwischen 19:21 und 20:17 Uhr, mit lokalem Lighthouse 13, mobile Strategie, jeweils die öffentlich erreichbare Startseite, ein Messlauf pro Site — kein Durchschnitt aus mehreren Durchläufen. Das ist bewusst dieselbe Methodik wie unser eigenes Speed-Test-Tool: Labordaten aus einem kontrollierten Einzeldurchlauf, keine Felddaten aus echtem Nutzerverkehr über Zeit. Beides hat seine Berechtigung, beides misst etwas anderes — mehr dazu im Methodik-Kasten am Ende.

Das heißt auch: Diese Zahlen sind eine Momentaufnahme, keine Dauerbeobachtung. CDN-Cache-Status, gerade laufende Werbekampagnen, Serverlast zur Messsekunde — all das kann bei einer Einzelmessung ein paar Punkte in die eine oder andere Richtung verschieben. Wenn du deine eigene Seite in der Liste erkennst oder wissen willst, wo sie heute steht: Miss selbst unter /speed-test/ — Ergebnis in 20 bis 60 Sekunden, ohne E-Mail-Adresse.

Zur Kandidatenauswahl: Wir haben in drei Wellen 552 als bekannt geltende deutsche Websites auf WordPress-Indizien geprüft — Quelltext (/wp-content/, /wp-includes/, Generator-Meta), REST-Endpoint /wp-json/ mit Inhaltsprüfung, hilfsweise robots.txt und Feed-Generator bei Bot-Schutz. Reine Textvorkommen wie „WooCommerce" im Fließtext ohne technischen Beleg wurden verworfen, ebenso Soft-404-Antworten auf /wp-json/. Übrig blieben 146 bestätigte oder sehr wahrscheinliche WordPress-Domains, von denen sich 145 automatisiert per Lighthouse messen ließen. 141 Messungen liefen technisch fehlerfrei durch (vier scheiterten an Timeout oder Lighthouse-Fehler), und bei vier weiteren stellte sich beim Messzeitpunkt heraus, dass es sich doch nicht um WordPress handelt. Bleiben 137 zweifelsfrei bestätigte WordPress-Sites — unsere Auswertungsbasis für diesen Artikel.

Ein Nebenfund am Rande, weil er zeigt, wie ernst wir die Erkennung nehmen: blogmojo.de galt jahrelang als eines der meistzitierten deutschen WordPress-Blogs — läuft heute aber nachweislich auf Next.js (im Quelltext erkennbar an _next/static-Assets, keine Spur von wp-content oder wp-json mehr). Die Seite taucht deshalb zu Recht nicht in unserer Liste auf.

Das ist der wichtigste Absatz in diesem Artikel, deshalb steht er vor der Ehrentafel und nicht dahinter: Ein niedriger Score ist kein Beleg für schlechte Arbeit des Teams dahinter.

Consent-Banner, Werbenetzwerke und Tracking-Skripte verzögern systematisch den Hauptthread — gemessen wird das in der Metrik Total Blocking Time (TBT). Und genau hier zeigt unser eigenes Sample den Effekt schwarz auf weiß: Die 44 gemessenen Medien-Seiten kommen im Median auf 1.328 ms TBT, die 29 Blogs dagegen nur auf 500 ms — mehr als das Doppelte. Beide Gruppen nutzen dieselbe Software, dieselben Cache-Plugins sind verfügbar, dieselben Hoster stehen offen. Der Unterschied liegt überwiegend im Geschäftsmodell: Werbefinanzierte Medien laden Consent-Management-Plattformen, mehrere Werbenetzwerke und Reichweitenmessung gleichzeitig — jedes davon blockiert kurz den Hauptthread, bevor die Seite interaktiv wird.

Der Benchmark misst also nicht nur Technik-Kompetenz, sondern auch, wie eine Website sich finanziert. Ein Redaktionsteam, das für seinen Werbe-Stack einen niedrigeren Score bekommt als ein werbefreier Blog, hat deshalb nicht automatisch schlechter gearbeitet — es hat ein anderes Geschäftsmodell mit anderen technischen Zwängen. Behalte das im Kopf, während du weiterliest.

Die Ehrentafel: die zehn schnellsten Sites im Test

Diese zehn haben unter denselben Bedingungen wie alle anderen gemessen — und liefern trotzdem Werte, die zeigen, dass WordPress auf Deutsch schnell sein kann. Verdient gefeiert:

# Site Kategorie Score LCP
1 Pressengers Blog · WordPress 98 2,3 s
2 Kuketz IT-Security Blog Blog · Security 96 2,5 s
3 Borns IT- und Windows-Blog Blog · Tech 96 2,3 s
4 Soziopod Podcast 92 2,9 s
5 Perun.net Blog · WordPress 87 3,2 s
6 SCHULEWIRTSCHAFT Bildung 85 3,7 s
7 CleverReach Software 82 4,5 s
8 Elmastudio Agentur · WordPress 81 3,7 s
9 Freifunk Verein/NGO 81 4,9 s
10 Fontblog Blog · Design 76 4,4 s

Bemerkenswert: Drei Personenblogs mit technikaffinem Publikum (Kuketz, Borns, Perun) belegen drei der ersten fünf Plätze — schlanke Themes, kaum Drittanbieter-Skripte, kein Werbe-Stack. Und mit Freifunk und SCHULEWIRTSCHAFT schaffen es auch zwei ehrenamtlich bzw. gemeinnützig getragene Angebote in die Top 10 — Budget ist offenkundig nicht die einzige Variable.

Muster statt Pranger: was sich nach Branche unterscheidet

Wir zeigen hier bewusst keine Tabelle der niedrigsten Scores mit Namen — das wäre ein Pranger, kein Befund, und Performance ist kein Urteil über die Arbeit einzelner Menschen oder Vereine. Stattdessen die Kategorien im Aggregat, zusammengefasst aus den ursprünglich über 50 feinen Unterkategorien der Rohdaten:

Hauptgruppe Sites Median-Score Bandbreite
Blogs 29 53 4–98
Agenturen 13 49 31–81
Bildung 11 48 29–85
Unternehmen 8 47 31–68
Vereine/NGOs 7 39 25–81
Medien 44 37 14–70
Software 10 33 19–82
Podcasts 7 33 25–92
Shops 4 33 30–60
Kultur 4 32 21–74

Ein paar Auffälligkeiten, die sich lohnen:

Foodblogs streuen extrem. Unsere sieben gemessenen Foodblogs zeigen mit 4 bis 55 Punkten die größte Spannbreite einer einzelnen Nische im gesamten Sample — mehr Varianz als jede andere Unterkategorie. Rezept-Plugins mit Step-by-Step-Bildern, Werbeeinbindungen und Affiliate-Widgets summieren sich hier offenbar sehr unterschiedlich, je nachdem, wie viel davon eine Seite tatsächlich fährt.

Podcast-Homepages leiden unter eingebetteten Playern. Sechs der sieben gemessenen Podcast-Seiten liegen unter 55 Punkten, nur Soziopod (Platz 4 der Ehrentafel) sticht mit 92 heraus. Eingebettete Audio-Player, Analytics und teils mehrere Hosting-Widgets gleichzeitig laden vermutlich zusätzliches JavaScript nach, das den Hauptthread blockiert — dieselbe Mechanik wie beim Consent-Banner-Effekt oben, nur ausgelöst durch ein anderes Embed.

Die Ironie des Tages: Die 13 gemessenen Agenturen, die WordPress selbst als Dienstleistung verkaufen, liegen im Median bei 49 von 100 Punkten — nicht signifikant besser als der Median über alle 137 Sites (41). Auch hier keine Häme: Eine Agentur-Website ist oft eine Nebenbaustelle neben den eigentlichen Kundenprojekten, gepflegt mit weniger Priorität als das, wofür man bezahlt wird. Aber es zeigt: „Wir bauen WordPress-Seiten" und „unsere eigene WordPress-Seite ist schnell" sind zwei verschiedene Aussagen.

Medien bleiben aus den oben genannten Consent-Banner- und Werbe-Stack-Gründen die Gruppe mit dem niedrigsten Median trotz der größten Fallzahl (44 Sites) — das ist strukturell erwartbar, kein Kompetenzproblem der Redaktionen.

Warum nur vier Shops? Das ist kein Messfehler, sondern ein echter Befund aus der Kandidatenrecherche: Die meisten bekannten deutschen Öko- und Fair-Fashion-Shops setzen auf Shopware oder Shopify statt auf WooCommerce/WordPress. Ein aussagekräftiges „WooCommerce-Ranking" hätte unser Sample schlicht nicht hergegeben — deshalb bleibt die Shop-Kategorie hier bewusst klein statt künstlich aufgefüllt.

Vereine/NGOs liegen mit Median 39 leicht unter dem Bildungs- und Agentur-Cluster, aber mit Freifunk (Platz 9 der Ehrentafel, 81 Punkte) auch mit einem echten Ausreißer nach oben — ehrenamtliche Pflege und gute Performance schließen sich in unseren Daten also nicht aus.

Was die Top-Sites gemeinsam haben

Wir haben nachgerechnet, statt zu vermuten. Über alle 137 Sites hinweg liegt die Total Blocking Time im Median bei 984 ms. Bei den zehn Top-Sites aus der Ehrentafel: null bis 176 ms, bei vieren davon exakt 0 ms. Das ist der klarste gemeinsame Nenner — kaum Skripte, die den Hauptthread blockieren, weil kaum Drittanbieter-Code nachlädt, der nicht unbedingt gebraucht wird.

Beim Largest Contentful Paint ist der Unterschied ähnlich deutlich, wenn auch nicht ganz so sauber: Median 3,4 Sekunden bei den Top 10 gegenüber 9,6 Sekunden über das Gesamtfeld. Ehrlich dazu: Nur drei der zehn Top-Sites unterbieten die von Google als „gut" eingestufte 2,5-Sekunden-Schwelle für LCP — schnell heißt hier „deutlich unter dem Durchschnitt", nicht „durchweg im grünen Bereich". Auch ein Score über 90 ist also kein Freibrief, nicht mehr zu optimieren.

Eine dritte Beobachtung, die uns beim Nachrechnen überrascht hat: Der TTFB liegt im Median über alle 137 Sites bei nur 36 ms — die erste Serverantwort ist für die meisten gemessenen Seiten offenkundig nicht der Engpass. Was Ladezeit kostet, passiert danach: beim Rendern, beim Nachladen von Skripten, Bildern und Drittanbieter-Embeds. Genau deshalb ist unsere TTFB-Diagnose auch nur für die Fälle gedacht, wo TTFB wirklich die Ursache ist — die SCHULEWIRTSCHAFT-Homepage aus der Ehrentafel etwa hat trotz Platz 6 einen TTFB von 991 ms und wäre ein Kandidat dafür.

Für alle anderen gilt eher: Wenn TBT dein Hebel ist, hilft in der Regel ein konsequentes Cache-Setup, das Skripte verzögert statt sofort lädt — Vergleich mit DSGVO-Spalte unter WordPress Cache-Plugin-Vergleich. Wenn du nicht weißt, wo du anfangen sollst: Unsere Roadmap „WordPress schneller machen" sortiert die Maßnahmen in der Reihenfolge, in der sie tatsächlich wirken, statt sie alphabetisch aufzulisten.

Miss deine eigene Seite

Diese 137 Zahlen sind ein Ausschnitt, keine Rangliste, in der du unbedingt vorkommen musst. Der eigentliche Wert dieses Benchmarks liegt nicht darin, wo andere stehen, sondern darin, dass du dieselbe Messmethode auf deine eigene Seite anwenden kannst: Miss deine WordPress-Site unter /speed-test/ — kostenlos, ohne E-Mail-Eingabe, Ergebnis direkt auf der Seite inklusive WordPress-spezifischer Einordnung, welche Auffälligkeit vermutlich welche Ursache hat.

Und falls die Zeit fehlt, sich selbst durch Caching-Konfiguration und Bildformate zu arbeiten: Unter /hilfe/ übernehmen wir Analyse und Umsetzung inklusive Vorher-Nachher-Messung — mit derselben Ehrlichkeit, die diesen Artikel trägt: Wenn dein Hosting das eigentliche Problem ist, sagen wir dir das, statt an Symptomen zu schrauben.


Methodik im Detail

Stand: Alle 145 Messungen wurden am 31.07.2026 zwischen 19:21 und 20:17 Uhr durchgeführt, mit lokal betriebenem Lighthouse 13, mobile Strategie/Throttling-Profil, jeweils ein Messlauf pro Startseite (keine Mehrfachmessung, kein Mittelwert). 137 der 145 Messungen betreffen zweifelsfrei als WordPress bestätigte Domains; vier Kandidaten erwiesen sich bei der Messung nicht als WordPress, vier weitere scheiterten technisch (Timeout oder Lighthouse-Fehler) und fließen nicht in die Auswertung ein.

Das sind Labordaten, keine Felddaten. Eine Einzelmessung schwankt naturgemäß leicht — abhängig von Serverlast im Messmoment, aktiven A/B-Tests oder gerade laufenden Werbekampagnen. Für eine belastbare Einzelaussage zu einer bestimmten Seite empfehlen wir immer eine zweite Messung zu anderer Tageszeit über unser Speed-Test-Tool.

Betreiber einer gelisteten Site? Schreib uns, wir messen kostenlos nach und korrigieren sichtbar: hallo@panomity.de. Rohdaten (CSV mit allen 145 Messwerten) stellen wir auf Anfrage zur Verfügung. Wir planen, diesen Benchmark quartalsweise zu wiederholen, um Entwicklung über Zeit statt nur eine Momentaufnahme zeigen zu können.

Rechtlicher Hinweis: Gemessen wurden ausschließlich öffentlich zugängliche Startseiten, ohne Login, ohne Umgehung von Bot-Schutz oder anderen Zugriffsschranken. Die WordPress-Erkennung basiert auf technischen Indizien (Quelltext, REST-API, robots.txt) und ist damit ein starkes Indiz, kein absoluter Beweis. Namensnennung erfolgt ausschließlich im Rahmen sachlicher Berichterstattung über öffentlich zugängliche, technische Messwerte.